70 Schritte - Joschis bitterer Abgang von der IPO-Bühne

Joschi auf der IPO-Quali Langenhagen 21.05.2016Sa., 21. Mai 16 - Joschi hat auf der Qualifikationsprüfung zur IPO-DM im Rassezuchtverband Hovawart (RZVH) in Hannover-Langenhagen seinen Abschied aus dem IPO-Sport gegeben. Schade - es war ihm nicht vergönnt, seinen Leistungsstand unter Beweis zu stellen. Nach 70 Schritten in der Unterordnung mussten wir wegen Verletzung abbrechen.

Erneut ist es die rechte Trizepssehne, die offenbar Schmerzen verursacht und Joschi blockiert. Ohne erkennbaren Anlaß setzten kurz vor der Kehrtwende Unregelmäßigkeiten im Gangbild ein und verstärkten sich im ersten Wechsel der Schrittart, so dass Leistungsrichter (LR) Gerhard Keßler die Prüfung unterbrach und um Diagnose bat. Es zeigte sich sofort, dass Fortsetzung keinen Sinn machte. Ich danke Herrn Keßler herzlich für das schnelle Eingreifen und die Entscheidung, Joschi mit Rücksicht auf dessen Gesundheit aus der Prüfung zu nehmen.

Zwar wurde ich von Prüfungsleiterin Heike Bittner sowie einigen Wettkämpfern und Zuschauern ermuntert, Joschi auf einer der kommenden Qualis erneut vorzustellen. Jedoch ist zu akzeptieren, dass das fortgeschrittene Alter des Rüden die Ausheilung von Sportverletzungen inzwischen so limitiert, dass Kontinuität in Training, Konditionsaufbau und Prüfungsvorbereitung nicht mehr zu gewährleisten ist. Es ist an der Zeit, ihn vom Leistungdruck zu entlasten und auf keiner weiteren IPO-Prüfung mehr einzusetzen.

Trotz fehlender Punkte aus Unterordnung und Schutzdienst wurden wir in der Ausscheidung nicht Letzte. 80 Punkte aus der Fährte reichten für Platz 5. Die Qualifikationsnorm wurde von keinem Teilnehmer erreicht. Tagessieger "Damon vom Hohenloher Land", geführt von Dr. Harald Classen, scheiterte bei 255 Gesamtpunkten (g) knapp mit 81a an der Schutzdienst-Hürde (85a). Die anderen Teams kamen leider nicht über die Gesamtwertung "Mangelhaft" (1 Rückzieher wg. Krankheit) hinaus. Dieses bedauerliche Ergebnis ist den großen Problemen geschuldet, die die Fährtenbedingungen allen Hunden bereiteten.

Die als "optimal" angekündigte Maissaat erwies sich vor Ort als sonnengebackener Lehmboden. Bodenverletzung? Das bisschen Geruchsfeld, dass der brettharte Acker zuließ, wurde auf mehr als der Hälfte der Strecken vom frischen, böigen Seitenwind, abgetrieben. Im Beobachterfeld kommentierte Fährtenexperte Willi Bittner: "Schwierig - aber machbar!"

Die meisten Hunde waren überfordert. Mit Abbrüchen bei Ergebnissen zwischen 3 und 23 Punkten konnten vier von sechs Teams bereits nach Kategorie "A" ihre Hoffnungen begraben, ihr Ticket für die DM lösen zu können.

Wie "Damon vom Hohenloher Land" sich seine 90 Punkte (sg) auf der Fährte verdiente, konnte ich nicht beobachten, weil ich mit Joschi kurz darauf antreten musste. Damon ist ein erfahrener, vorzüglicher Nasenarbeiter. Er hat auch schon 100er Fährten in Ausscheidungsprüfungen abgeliefert.

Joschi wurde auf dem ersten Schenkel vom Seitenwind verleitet, die Fährte mehrere Meter versetzt vom Ursprung zu vermuten. Sichtlich irritiert kämpfte er, die richtige Spur zu finden und zu halten. Das gelang ihm kaum und brachte auch uns an den Rand des Abbruchs. Sicherheit gewann er auch durch den ersten Gegenstand nicht. Joschi verwies ihn extrem zögerlich, offenbar im Zwiespalt, ob dieses fabrikneue Teil überhaupt dazugehört. Ich hatte die Leine gerade zum Herangehen abgelegt, als er sich gegen "das komische Ding" entschied und die Fährte selbstständig fortsetzte. Nach dem ersten Winkel verhalf Joschi der nunmehrige Rückenwind in Balance und zur richtigen Technik. Die Arbeit wurde sukzessive besser. Joschi suchte jetzt mit "extrem tiefer Nase und intensiv" (LR Keßler). Den letzten Schenkel sah der Richter sogar im "Vorzüglich". Obwohl "Nummer Zwei" und "Drei" schnell und sicher verwiesen wurden, blieb die Gegenstandsarbeit im "Mangelhaft", weil ich G2 durch idiotischen Führerfehler entwertete.

Was sich am Pfingstmontag und Freitagabend (Probetrainings) abgezeichnet hatte, bestätigte sich im Warm-up vor der Unterordnung: Joschi war "auf dem Punkt". Du spürst das als Hundeführer, wenn dein Hund "voll da" ist. Unmittelbar vor Betreten grinste er noch, als wollt' er sagen: "Wir gehen jetzt da rein und rocken das Ding." Präsenz, Fokus, Takt, Dynamik - alles was den Hund auszeichnet brachte er auf den Platz; bis die verd... Sehne nicht mehr mitmachte.

Bin ich jetzt traurig? Ja, weil Joschi, dieser tolle Typ, seinen IPO-Abgang auf der großen Bühne einer Deutschen Meisterschaft verdient hätte. Und auch, weil er für viele Hovawart-Freunde und -Züchter nun ein "Angeblicher" bleiben muss. Klar kann ich viel über seine Qualität schwadronieren. Was nutzt es, wenn sich nur wenige je davon überzeugen konnten? Bin ich enttäuscht? Nein. Joschi und ich haben alles in unserer Macht stehende getan, um zu liefern statt nur anzugeben.

Blamiert haben wir uns jedenfalls nicht. Ungefragt bestätigte das LR Keßler, als er mir nach der Prüfung noch einmal sein Bedauern ausdrückte: "Ich hatte mich auf das Richten gefreut, weil ich überzeugt war, dass jetzt der Hund kommt, der heute die Quali holt."
Schlusspunkt

Blog4.jpg

Fragen oder Informationen?

Wir stehen Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Tel.:     +49 (0)9568 9418-0
Mobil:  +49 (0)160 96431826
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Besucher

Heute25
Gestern21
Insgesamt93071

Datenschutz